Die besten Fußballbücher – Eine Auflistung
Auf einer Webseite zu diesem Thema sollte es eigentlich auch einen Artikel mit dem Titel „Die besten Fußballbücher aller Zeiten“ geben. Das ist aber natürlich einfacher gesagt als getan. Bei der Masse an Büchern zur schönsten Nebensache der Welt habe ich selbst vielleicht 0,1% davon gelesen, obwohl auch das vermutlich schon eine äußerst optimistische Schätzung ist. Außerdem sind solche Listen natürlich immer sehr subjektiv und es gibt nicht die eine Wahrheit.

Daher beschreibe ich hier die meiner Meinung nach besten Fußballbücher, die ich selbst kenne. Diese Liste wird auch gelegentlich angepasst und es können neue Bücher dazukommen. Wer Tipps und Hinweise für sehr gute Bücher zum Thema Fußball hat, kann mich gerne in der Kommentarfunktion oder per E-Mail unter info@fussballbuch.net darauf hinweisen.
Die meiner Meinung nach besten Fußballbücher
Bei der folgenden Liste der besten Fußballbücher handelt es sich nicht zwangsläufig um eine Rangliste, sondern eher um eine Auflistung. Eines der Bücher muss also nicht zwangsläufig schlechter sein als ein anderes. Sie sind meiner Meinung nach alle empfehlenswert.
Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben (Ronald Reng)
Zu Ronald Rengs Biographie über Robert Enke bin ich im Blogartikel zu diesem Buch sowie im Artikel zu den besten Fußballbüchern von Ronald Reng bereits näher eingegangen. Daher fasse ich mich hier eher kurz.

Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben gehört für mich zu den besten Fußballbüchern aller Zeiten, weil es sehr einfühlsam geschrieben ist und man als Leser den Menschen Robert Enke besser kennenlernt. Für uns Fußballfans war es ein Schock, als Enke im November 2009 Suizid beging. Abgesehen von Familie, Freunden und wenigen anderen Auserwählten wusste niemand, dass es ihm so schlecht ging.
Diese Biographie beschreibt die Entwicklung einer Krankheit und gibt Einblicke in das Leben eines Betroffenen. Sie schildert aber auch die vielen glücklichen Momente auf dem Platz und auch abseits des Fußballs. Ronald Reng lässt hier viele Weggefährten zu Wort kommen.
Fever Pitch – Ballfieber (Nick Hornby)
Bei Fever Pitch handelt es um den wohl größten Klassiker zur Fanliteratur. Es war das erste Buch des Autors und es machte ihn zumindest in Fußballkreisen schlagartig bekannt.
Hornby ist Fan des FC Arsenal und beschreibt in Fever Pitch seine Beziehung zu seinem Herzensclub. Der erste Absatz des Buches gehört zu den berühmtesten in der Geschichte der Fußballbücher:
Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden
Fever Pitch ist deshalb so beliebt, weil viele Fans das Geschriebene aus ihrem eigenen Leben kennen. Der Lieblingsverein bestimmt einen großen Teil des eigenen Lebens. Der Spielplan und der sonstige Terminplan werden sorgfältig miteinander abgeglichen – wobei der Spielplan selbstverständlich wichtiger ist. Geburtstage oder Hochzeiten im Vergleich zu einem Auswärtsspiel irgendwo am anderen Ende des Landes – das ist eine deutlich schwierigere Entscheidung, als es Nicht-Fußballfans nachempfinden können.
Revolutionen auf dem Rasen – Inverting the Pyramid (Jonathan Wilson)
Hierbei handelt es sich um den Klassiker schlechthin wenn es um Fußballtaktik geht. Ich persönlich habe das Buch in Englisch unter dem Originaltitel Inverting the Pyramid gelesen. Es ist aber auch eine deutsche Übersetzung namens Revolutionen auf dem Rasen – Eine Geschichte der Fußballtaktik erhältlich.
Inverting the Pyramid ist weniger ein Handbuch für Trainer, die sich weiterbilden und genau wissen wollen, wann welche Taktik im modernen Fußball anzuwenden ist. Das Buch ist interessant für alle Fußballinteressierten, die mehr über die Geschichte der Taktik und deren Entwicklung erfahren wollen.
Wilson beschreibt, wie sich der Fußball von Systemen mit vielen Angreifern und wenigen Defensivspielern immer mehr in das Gegenteil gedreht hat. Diese Entwicklung gibt dem Buch auch seinen Originaltitel. Übersetzt bedeutet er: Die Pyramide umdrehen. Jonathan Wilson gibt viele Beispiele verschiedener Teams, die eine bestimmte Taktik spielten. Gut gefallen haben mir auch die anschaulichen Bilder von taktischen Aufstellungen berühmter Fußballspiele.
Der Traumhüter (Ronald Reng)
Der Traumhüter ist das zweite Buch von Ronald Reng, das ich persönlich zu den besten Fußballbüchern überhaupt zähle. Auch auf dieses Buch bin ich im oben verlinkten Artikel zum Autor bereits näher eingegangen.
Eines der größten Talente des Autors ist es, die Menschen und die Geschichten zu finden, über die ansonsten niemand schreibt. In diesem Fall geht es um den Torwart Lars Leese. Dieser spielte mit Anfang 20 noch in der Kreisliga Westerwald, mit Ende 20 war er Matchwinner in einem Spiel der englischen Premier League gegen Liverpool. Was wie ein Fiebertraum klingt, war Realität.
Wie es zu diesem unwirklichen Aufstieg und dem darauffolgenden Abstieg (eher Rückkehr zur Normalität) kam, das erzählt Ronald Reng in seinem ersten Buch zum Thema Fußball überhaupt. Als erstes übersetztes Buch wurde Der Traumhüter unter dem englischen Titel Keeper of Dreams im Jahre 2004 auch mit dem British Sports Book Award ausgezeichnet.
90 oder Die ganze Geschichte des Fußballs in neunzig Spielen (Christian Eichler)
90 wurde im Jahr 2018 von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur zum Fußballbuch des Jahres gewählt. Vollkommen zurecht, wie ich meine. Der Autor Christian Eichler erzählt die Geschichte des Fußballs anhand eines roten Fadens: der besten, legendärsten oder auf andere Weise außergewöhnlichsten Fußballspiele aller Zeiten.
Das Buch ist aber keine reine chronologische Aneinanderreihung verschiedener Kapitel nach dem Motto: Kapitel 60 – Finale des Europapokals der Landesmeister 1986, Kapitel 61 – Finale der Weltmeisterschaft 1986. Stattdessen gibt es immer wieder eine Verbindung zwischen den einzelnen Spielen. Eichler erzählt also nicht viele voneinander unabhängige Geschichten, sondern die zusammenhängende Geschichte des Fußballs allgemein. Für Fußballhistoriker ist dieses Buch eine wahre Schatzkiste.
Football Against The Enemy (Simon Kuper)
Football Against the Enemy (Fußball gegen den Feind) war das erste Buch des britischen Autors Simon Kuper. Hier geht es etwas weniger um das Geschehen auf dem Platz und mehr um die Verknüpfungen von Fußball und Gesellschaft und die Bedeutung des Fußballs in verschiedenen Ländern.
Kuper ist zwar Brite (und laut Wikipedia mittlerweile auch eingebürgerter Franzose), er wuchs aber in den Niederlanden auf. Auch aufgrund dieser Verbindung ist eines der Themen des Buches die Deutsch-Niederländische Fußballrivalität. Der Autor beschreibt in diesem Buch, wie gesellschaftliche und politische Entwicklungen mit der Art zusammenhängen, wie in diesen Ländern Fußball gespielt wird.
Simon Kuper traf sich hierzu mit vielen verschiedenen Protagonisten des Sports (Spieler, Trainer, Politiker, Fans etc.) aus der ganzen Welt und lässt diese die Bedeutung des Fußballs für ihr Land erzählen. Er blickt über den Tellerrand hinaus und hat sich daher einen Platz in der Gruppe der besten Fußballbücher verdient.
Das Wunder von Castel di Sangro (Joe McGinniss)
Castel di Sangro ist ein Ort in den italienischen Abruzzen mit etwas mehr als 6000 Einwohnern. Nicht gerade ein Ort also, in dem man ein großes Fußballwunder erwarten würde, über das Bücher geschrieben werden. Und trotzdem hat der (im Jahr 2014 verstorbene) US-Autor Joe McGinniss genau das gemacht.
Ein Fußballwunder spielte sich in Castel di Sangro Mitte der 90er-Jahre ab. Der dortige Dorfverein hatte eigentlich immer in einer der untersten Ligen gespielt, vergleichbar mit der Kreisklasse in Deutschland. Nach und nach gab es aber einen Aufstieg nach dem anderen und im Jahr 1996 geschah das Unmögliche: Castel di Sangro stieg in die Seria B, die zweite italienische Liga auf, und war fortan im Profifußball zu Gast. Im Gegensatz zum deutschen Dorfclub aus Hoffenheim war hier auch kein Milliardär oder auch nur Millionär im Hintergrund aktiv.
Der Autor, wie gesagt ein Amerikaner, hatte ursprünglich mit Fußball nicht das Geringste am Hut. Er lebte während dieser Zeit aber in Castel di Sangro und begleitete den Verein in seiner ersten Saison in der Serie B. In dieser schaffte der kleine Club dann auch den Klassenerhalt. Es ist interessant, dass ein solches Buch einmal aus dem Blickwinkel eines Autors geschrieben wurde, der den Fußball erst neu entdeckt hatte.
Eine Saison mit Verona (Tim Parks)
Wenn ein US-Amerikaner mit Das Wunder von Castel di Sangro ein Buch über den italienischen Fußball schreiben kann, dann kann ein Engländer dies ebenfalls. Tim Parks lebte zum Zeitpunkt des Erscheinens von Eine Saison mit Verona bereits seit vielen Jahren in Italien, manches war ihm aber noch immer fremd, weshalb er mehr über die Italiener und ihre Leidenschaft zum Fußball erfahren wollte.
Mit diesem Ziel im Hinterkopf begleitete er Hellas Verona für eine Saison zu allen Spielen. Dabei war er weniger Teil des Teams, sondern vielmehr Teil der Fanszene. Er kam mit vielen Fans und auch den Ultras von Hellas in Kontakt und lernte so eine Menge über Italien und den italienischen Fußball.
Das Buch hat eine schöne Sprache und man fiebert im Kampf gegen den Abstieg regelrecht mit dem Team mit. Auch Sparks merkt man an, dass er im Laufe der Saison immer mehr zum eingefleischten Tifosi wird. Im Vergleich zu Nick Hornby wurde ihm die Liebe zu einem Club nicht in die Wiege gelegt, sondern er ist sozusagen ein Quereinsteiger. Wenn es um die besten Fußballbücher aus Fansicht geht, gehört dieses hier auf jeden Fall auf die Liste.