Die besten Fußballbücher von Ronald Reng
Wer über Bücher zum Thema Fußball recherchiert, wird dort immer wieder auf einen Namen treffen: Ronald Reng. Reng ist auch mein Lieblingsautor für Fußballbücher, seit ich Der Traumhüter und die Enke-Biografie gelesen habe (ich erinnere mich nicht mehr genau, welches davon mein erstes Buch des Autors war).
Die Fußballbücher von Ronald Reng werden auch regelmäßig mit Buchpreisen ausgezeichnet. In England, dem Mutterland des Fußballs, war er der erste nicht-englischsprachige Autor, der für die beiden obengenannten Bücher einen Preis erhielt.
Robert Enke: Ein allzu kurzes Leben
Die Biografie von Robert Enke ist meiner Meinung nach noch immer Ronald Rengs bestes Buch, obwohl die Konkurrenz groß ist. Sie erschien im Jahr 2010, im Jahr nach Enkes Suizid. Reng schrieb die Biografie zusammen mit Enkes Witwe Teresa. Ronald Reng war noch zu Robert Enkes Lebzeiten mit diesem bekannt und befreundet und arbeitete bereits damals an einer Biografie (was Enkes expliziter Wunsch war).
In diesem Buch geht es neben Robert Enkes sportlicher Karriere natürlich vor allem um sein seelisches Innenleben und seine Depressionserkrankung. Die Beschreibung ist zwar emotional und offen, aber zu keinem Zeitpunkt reißerisch oder dramatisierend. Es steckt aber auch voller schöner Geschichten über den Menschen Robert Enke und aus glücklicheren Zeiten.
Der größte Pluspunkt dieses Buchs ist wohl, dass es eine gute Beschreibung des Themas Depression ist und dazu anregt, über Facetten nachzudenken, über die man sich vorher eher nicht bewusst war. Dazu gehören auch die Auswirkungen nicht nur auf den Betroffenen selbst, sondern auch auf das persönliche Umfeld und vor allem die Familie.
Nach Robert Enkes Suizid hielten einige Fußballfunktionäre Sonntagsreden, über einen anderen und offeneren zukünftigen Umgang miteinander und mit Depressionen. Wie viel davon übriggeblieben ist, mag jeder Leser für sich beurteilen. Wenn Menschen sich mit diesem Thema befassen, haben Ronald Reng und Teresa Enke dazu aber den größten Teil beigetragen und man kann ihnen nur dankbar dafür sein. Statt reiner Sonntagsreden ist Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben ein sehr einfühlsames Buch, das nicht anklagt, aber zum Nachdenken anregt.
Der Traumhüter
Der Traumhüter war Ronald Rengs erstes Buch zum Thema Fußball und machte ihn als einen der besten Autoren über die schönste Nebensache der Welt bekannt. Der Titel setzt sich zusammen aus dem Traum (des Profifußballs) und Torhüter. Der Traumhüter in diesem Buch ist Lars Leese und dessen ungewöhnliche Karriere.
Leese spielt mit Anfang 20 noch in der Kreisliga Westerwald, weshalb niemand mehr eine steile Karriere oder gar eine Profikarriere vermutet hätte. Nach und nach arbeitet er sich mit einem Wechsel und Aufstiegen aber bis in die Regionalliga vor und wird 1996 schließlich von Bayer Leverkusen als Nummer 3 verpflichtet.
Obwohl Lars Leese nie ein Spiel für die Werkself machte, ist der Weg vom Kreisligaspieler in den Kader eines Bundesligisten schon außergewöhnlich genug. Hier begann sein Traum aber erst an Fahrt aufzunehmen. Er wechselte als Ersatztorhüter zum FC Barnsley nach England, der im gleichen Jahr zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Premier League aufgestiegen war. Nach der Verletzung des Stammtorhüters stand Leese einige Male zwischen den Pfosten. Sein Karrierehöhepunkt war wohl ein 1:0 gegen den FC Liverpool, bei dem Leese zum Matchwinner wurde.
So atemberaubend der Weg von der Kreisliga in die Premier League war, so schnell ging dann auch wieder der Weg nach „unten“. Ronald Reng beschreibt hier die Karriere eines sympathischen Kurzzeit-Stars, der während seiner aktiven Karriere und bis zum Erscheinen dieses Buchs nur Insidern bekannt war. Solche Geschichten sind mir viel lieber als Biografien von Topstars, in denen oftmals nur bekannte Fakten wiedergekäut werden.
1974 – Eine deutsche Begegnung
1974 – Eine deutsche Begegnung erschien erst im Jahr 2024, als der Autor sich längst als beliebter Autor von Fußballbüchern etabliert hatte. Kennern der Fußballgeschichte wird anhand des Titel klar sein, worum es in diesem Werk geht. Bei der Weltmeisterschaft 1974 fand in der Vorrunde das einzige Pflichtspiel zwischen den beiden deutschen Nationalmannschaft, BRD und DDR, statt. Die DDR gewann durch ein Tor von Jürgen Sparwasser mit 1:0, die BRD konnte sich aber später zum Weltmeister küren.
In diesem Buch geht es aber um weitaus mehr als um diese historische Begegnung. Reng beschreibt hier auch die Unterschiede und die Geschichten der beiden Staaten, der Gesellschaften und der unterschiedlichen Systeme. Es handelt sich also auch um ein historisches Buch, das auch interessant ist für Leser wie mich, die damals noch nicht geboren waren.
Das Buch könnte auch für Nicht-Fußballfans interessant sein, sofern sie sich für die gesellschaftliche Entwicklung interessieren. Fußballfans tauchen auch ein in eine Welt, in welcher der Fußball noch nicht durchkommerzialisiert und das Leben eines Fußballprofis etwas weniger glamourös war als es heute der Fall ist.
Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga
Bei einem Buch mit dem Zusatz „Geschichte der Bundesliga“ im Titel, könnte man erwarten, dass es sich hierbei um ein etwas trockenes aber faktenreiches Werk zur Geschichte der höchsten Liga im deutschen Fußball handelt. Wichtig ist hierbei aber vor allem das Wort „andere“ im Titel. Spieltage ist alles andere als staubtrocken und enthält keine Anekdoten, die wir alle schon dutzende Male gehört und gelesen haben.
Einer, der die Geschichte der Bundesliga mitgeprägt hat, ohne dabei heute einen schillernden Namen zu haben, ist der im Jahr 2019 verstorbene Heinz Höher. Höher spielte für Bayer Leverkusen, den MSV Duisburg und den VFL Bochum, den er nach der aktiven Karriere auch einige Jahre trainieren sollte. Zudem war er Manager des 1. FC Nürnberg. Höher ist Hauptprotagonist dieses Buchs. Wie in Der Traumhüter hat Ronald Reng es auch hier wieder geschafft, statt eines ganz großen Namens die Geschichte eines (heute) eher Unbekannten zu erzählen.
Da Höher in verschiedenen Funktionen vor allem in den 60ern, 70ern und 80ern aktiv war, konzentriert sich auch die Geschichte auf diese Zeit. Wie bereits im ersten Absatz angedeutet, sollte man also keine ausführliche und lückenlose Geschichte der Bundesliga von 1963 bis heute erwarten. Das Buch erzählt dafür Geschichten, die Fußballfans ansonsten noch nicht gehört haben.
Mroskos Talente – Das erstaunliche Leben eines Bundesligascouts
In Mroskos Talente begleitet Reng mal wieder einen Protagonisten, der Fußballfans unbekannt ist, obwohl er eine Menge spannende Geschichten zu erzählen hat. Der Titelgeber dieses Buchs ist Lars Mrosko, der aus Berlin-Neukölln stammt und es bis zum Talentscout von Fußball-Bundesligisten schaffte.
Lars Mrosko erinnert ein wenig an die Scout-Variante des Traumhüters Lars Leese. Mrosko begeisterte sich vor allem für den Berliner Amateurfußball vor seiner Haustür. Bei dem Heranwachsenden deutet erst einmal nichts darauf hin, dass er einmal – in welcher Funktion auch immer – eine Rolle im Profifußball spielen würde. Trotzdem schafft er es mit seiner Liebe zum Fußball und seiner Detailverliebtheit in den Scoutingabteilungen von Bayern München, dem VFL Wolfsburg oder dem FC St. Pauli unterzukommen.
Auch in Mroskos Talente werden wieder die Geschichten erzählt, die der durchschnittliche Fußballfan ansonsten nicht zu hören bekommt und die nicht in der Sportschau vorkommen. Auch hier schafft es Ronald Reng, das Tagesgeschäft des Profifußballs und den Talentehandel zu beschreiben, ohne dabei reißerisch zu wirken oder dem Leser das Denken abnehmen zu wollen. Wir können uns hier selbst ein Bild machen, wie es in der Bundesliga abseits der TV-Kameras zugeht.
Miro
In diesem Buch geht es im Vergleich zu vielen anderen der Fußballbücher von Ronald Reng einmal nicht um die stillen Helden im Hintergrund, sondern um einen der großen Stars des Fußballs. Bei Miro handelt es sich um eine Biografie des 2014er-Weltmeisters Miroslav Klose. Da Klose mit Anfang 20 noch im Amateurfußball spielte und sein Weg alles andere als vorgezeichnet war, gibt es aber durchaus Parallelen zu Lars Leese. Auch wenn die Karriere im Profifußball natürlich ganz anders verlief.
Im Vergleich zu vielen anderen Fußballbüchern von Ronald Reng handelt es sich hier vom Aufbau her um eine typische Biografie. Das bedeutet aber nicht, dass es eine staubtrockene Aneinanderreihung von Fakten ist, die man auch bei Wikipedia finden kann.
Das Buch beginnt in Kloses Kindheit und begleitet ihn auf dem Weg in den Profifußball. Dieser Teil ist besonders anschaulich und spannend. Wie weiter oben schon beschrieben, war sein Weg nicht gerade vorgezeichnet. Es kommen keine Nachwuchsleistungszentren und U-Nationalmannschaften vor, sondern die SG Blaubach-Diedelkopf. Dort spielte Klose noch in einem Alter, in dem Spieler wie Florian Wirtz oder Kai Havertz bereits gestandene Bundesligaprofis und Nationalspieler waren.
Ronald Reng beweist hier, dass er neben Geschichten über Underdogs auch spannende Geschichten über große Namen erzählen kann. In diesem Buch kommen sehr viele Zeitgenossen wie Trainer oder Freunde zu Wort.
Der große Traum
Im letzten hier vorgestellten Fußballbuch von Ronald Reng geht es wieder zurück zu den kleineren Namen und den unerzählten Geschichten des Fußballs. Der große Traum behandelt den Traum von Kindern und Jugendlichen vom Profifußball. Natürlich hatte auch ich selbst früher diesen Traum, obwohl vollkommen talentlos. Das ist bei den Protagonisten dieses Buchs anders.
Im Text zur Klose-Biografie schrieb ich, dass dort keine Nachwuchsleistungszentren vorkämen. Hier werden sie allerdings beschrieben. Die drei Protagonisten sind talentierte junge Fußballspieler, die wie hunderte andere in ihrem Alter nicht nur den Traum vom Profifußball haben, sondern auch das Talent um diesen Traum halbwegs realistisch erscheinen zu lassen. Die drei Spieler kommen aus Franken und spielen (zum Zeitpunkt der Handlung) auch für die Nachwuchsabteilungen der beiden größten fränkischen Clubs: 1. FC Nürnberg und SpVgg Greuther Fürth.
Reng beschreibt in diesem Buch recht nüchtern nicht nur die großen Träume und Erfolge, sondern vor allem auch die Entbehrungen, die Rückschläge und die Tatsache, wie unwahrscheinlich es selbst für die talentiertesten Spieler einer Region ist, einmal einen Platz in einem Bundesliga-Kader zu ergattern.
Kleiner Hinweis am Rande: Für einen der Protagonisten des Buches ging der Traum sogar wirklich in Erfüllung. Er schaffte es in die Erste Bundesliga und sogar bis in die Nationalmannschaft.
Wenn Ihnen der Artikel über die besten Fußballbücher von Ronald Reng gefallen hat, können Sie sich auch gerne die Artikel zu anderen bekannten Autoren anschauen, beispielsweise Christoph Biermann oder Dietrich Schulze-Marmeling.