Football Against The Enemy (Fußball gegen den Feind) von Simon Kurper ist nach Robert Enke: Ein allzu kurzes Leben das zweite Buch, das ich in diesem Blog vorstelle. Das Thema ist wie bei der Enke-Biografie in der Theorie ein eher Ernstes. Der Autor schafft es aber, die Leser mit seiner humorvollen Art auch ein ums andere Mal zum Lachen zu bringen.

E-Book-Cover von Football Against The Enemy von Simon Kuper

Bevor wir zum Inhalt des Buches kommen, erst einmal ein Hinweis zur richtigen Einordnung. Simon Kuper schrieb Football Against The Enemy Anfang/Mitte der 90er Jahre. Es war eine turbulente Zeit, die auch Einfluss auf den Fußball hatte und die Kuper in sein Buch mit einfließen lässt. Beispiele hierfür sind die Deutsche Wiedervereinigung, die Auflösung der Sowjetunion, das von Jugoslawien unabhängige Kroatien oder das Ende der Apartheid in Südafrika. Dies sollte man beim Lesen immer im Hinterkopf haben. Es handelt sich heute um eine Art Geschichtsbuch und manche der im Buch beschriebenen Konflikte sind heute kaum noch aktuell.

Simon Kuper ist Engländer, er wuchs aber teilweise in den Niederlanden auf. Diese Perspektive bringt er ins erste Kapitel ein, in dem es um die Deutsch-Niederländische Fußballrivalität geht. Der Untertitel der deutschen Übersetzung von Football Against The Enemy lautet „Oder: Wie ich lernte, die Deutschen zu lieben“. Dieser Untertitel ist denke ich etwas Fehl am Platz, da es um dieses Thema nur am Rande und nur im ersten Kapitel geht.

Football Against The Enemy beschreibt den Zusammenhang zwischen Fußball und Politik/Kultur

Dieses erste Kapitel ist aber sehr interessant und auch sehr humorvoll geschrieben. Kuper beschreibt unter anderem, dass es nach dem 2. Weltkrieg erst einmal kaum eine Rivalität zwischen Deutschen und Niederländern gab. Auch das Aufeinandertreffen beider Länder im Finale der Weltmeisterschaft 1974 war eher von gegenseitigem Respekt geprägt. Beckenbauer und Cruyff galten als Freunde. Dies änderte sich in den 80er- und 90-Jahren. 1988 kam es zum Aufeinandertreffen bei der Europameisterschaft (welche die Niederlande gewannen). 1990 trafen beide Mannschaften bei der WM im Achtelfinale aufeinander (diesmal mit dem besseren Ende für Deutschland). Diese Partien waren eher von Feindseligkeit geprägt und sehr intensiv.

Kuper ist für dieses Buch in sehr viele Länder gereist und hat viele Fußballspieler und -trainer, Funktionäre, Journalisten, Politiker und Fans interviewt. Jedes Kapitel schildert ein anderes Land. Grob gesagt geht es darum, wie die Geschichte eines Landes und seine Konflikte sowie Politik und Regierungen auch den Fußball geprägt haben. Dies ist aus heutiger Sicht vielfach nicht mehr der Fall. Der Fußball ist internationaler geworden, deutlich mehr Trainer und Spieler arbeiten in anderen Ländern und der Fußball rückt dadurch enger zusammen. Als Kuper Football Against The Enemy schrieb, gab es noch kein Internet und Fußball war noch deutlich nationaler geprägt.

Beispiele für Themen und Kapitel in Football Against The Enemy sind

  • Die Geschichte eines ostdeutschen Fans von Hertha BSC Berlin (Westen) in der DDR
  • Das Old Firm genannte Glasgow-Derby zwischen Celtic und Rangers und die Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten
  • Wie der Catenaccio nach Italien kam
  • Wie Kameruns Präsident Paul Biya (heute im Alter von 93 Jahren immer noch im Amt) Roger Milla für die Nationalmannschaft nominierte
  • Wie die brasilianische Mentalität und die nationale Kampfkunst Capoeira den brasilianischen Fußball beeinflussten
  • Wie sich der südafrikanische Fußball nach Ende der Apartheid entwickelte
  • Wie Geheimdienst und Militär den Fußball in der Sowjetunion beeinflussten
  • Und viele mehr

Sehr gut geeignet für Fußball-Historiker

Die Reiseberichte und Interviews sind oft sehr komisch. Es ist teilweise wie ein Ausflug in eine andere Welt. Die Reisen des Autors waren stellenweise auch nicht ungefährlich, obwohl diese Situationen oft in einer selbstironischen Art dargestellt werden. Diese Erzählweise hat mir sehr gut gefallen. Auch bei sehr ernsten oder traurigen Themen schreibt Kuper nicht einfach trocken Details herunter.

Wie bereits geschrieben sind die Inhalte des Buchs oftmals etwas veraltet und überholt. Das tut dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch. Ich persönlich habe das Buch sehr genossen und auch einiges gelernt, was mir bislang noch nicht bewusst war (wie zum Beispiel, dass Dinamo Zagreb nach der Unabhängigkeit vom kroatischen Präsidenten für mehrere Jahre in Croatia Zagreb umbenannt wurde – was so unpopulär war, dass die Partei des Präsidenten in der Folge Wahlen verlor).

Football Against The Enemy ist interessant für alle, die gerne mehr über die Geschichte des Fußball in einzelnen Ländern wissen wollen, die wissen wollen, wie Politik und Fußball sich in der Vergangenheit gegenseitig beeinflussten und wie die Kultur eines Landes sich in der Art widerspiegelte, wie dort Fußball gespielt wurde. Es ist weniger geeignet für Fans, die sich vor allem für den modernen Fußball und die Gegenwart interessieren, und weniger für die Vergangenheit.

Von Lukas

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